Vase
Paul Ami Bonifas (1893–1967), Designer
Verrerie de St-Prex, St-Prex, 1931–1935
Braunes, zuerst in eine Rippenform (rigadin) und anschliessend in Form geblasenes Glas; heiss aufgetragene Dekorelemente
H 32 cm, Ø 16 cm
Vitromusée Romont, VO 674
Diese Vase ist in einem Verkaufskatalog der Verrerie de Saint-Prex aus den Jahren 1931 bis 1935 unter der Nummer 92 aufgeführt. Sie ist auch auf einer Fotografie des Messestands der Manufaktur am Comptoir suisse von 1931 zu sehen. Ihr Entwurf wird dem Keramiker Paul Ami Bonifas (1893–1967) zugeschrieben. Er hatte in jenem Jahr den Auftrag erhalten, eine moderne Kollektion für die Nationale Ausstellung für angewandte Kunst in Genf zu entwerfen und deren Herstellung zu beaufsichtigen.
In Saint-Prex arbeitete Bonifas mit einem in Murano ausgebildeten italienischen Glasmacher zusammen, dem die Ausarbeitung der Form und die Blastechnik zugeschrieben werden. Das braune Glas wurde in eine gerippte, sogenannte «optische» Form geblasen und anschliessend mit zwei heiss aufgestempelten Rosetten verziert. Die längliche, regelmässige und schlichte Silhouette erinnert an venezianische Glasarbeiten der 1920er-Jahre, insbesondere an jene von Vittorio Zecchin. Die Vase verbindet Bonifas’ puristische Formensprache mit dem Glasmacherhandwerk Muranos.
Die 1911 von Henri Cornaz gegründete Verrerie de Saint-Prex stellte zunächst hauptsächlich Flaschen her. Zwischen 1930 und 1964 entwickelte sie eine bedeutende künstlerische Produktion von Vasen, Schalen und Ziergegenständen. Ab 1931 entwarf Bonifas für die Manufaktur Modelle mit klaren Formen. Zugleich experimentierte die Verrerie mit verschiedenen Dekortechniken, darunter Emailmalerei und Craquelé-Effekte. Diese Produktion nimmt in der Geschichte der Schweizer Glaskunst des 20. Jahrhunderts einen bedeutenden Platz ein.